Von Magister Peter H. Gilmore, Orden vom Trapez, Kirche Satans
Durch all die 33 Jahre ihrer Existenz hat die Kirche Satans niemals zu expandieren aufgehört, während ihr Wesen eine Anzahl von sorgfältig geplanten Entwicklungsphasen durchlaufen hat. Während dieses Prozesses haben wir es zu Zeiten als notwendig befunden, Personen hinauszuwerfen, deren Handeln mit unseren hohen Ansprüchen an Anstand nicht in Einklang war. Es gab auch Einzelne, die von sich aus dahingezogen sind, da sie unser Vorgehen für ihr falsches Bild persönlicher Überlegenheit als zu anspruchsvoll fanden. Wir vermissen keinen von ihnen, da die wahre Elite von talentierten, hoch motivierten, produktiven, kreativen und vor allem anderen unabhängigen Individuen nach wie vor ihren Weg zu uns findet. Sie arbeiten daran, die Welt in Gang zu halten und benützen dabei Satanismus als Angelpunkt ihrer Leistungen.
Dann waren da auch noch diejenigen, die versucht haben, uns zu imitieren. Meistens haben sie sowieso festgestellt, daß wir ihnen einige Schuhnummern zu groß sind. Kurzlebige Abfallprodukte waren die Kirche der satanischen Bruderschaft, der Ordo Templi Satanis, der Orden des schwarzen Widders, die Kirche Luzifers, die orthodoxe satanische Kirche, und so weiter. Keine dieser Organisationen war erfolgreich oder hat auch nur im mindesten die Richtung des Satanismus beeinflußt, da sie aus Mangel an Energie und einer Richtung schnell gescheitert sind. Nach dem Tod unseres Hohepriesters und Gründers sind noch mehr Imitatoren aufgetaucht, die versuchen, den Hauptschauplatz zu erreichen. Diese armen Narren werden durch ihren eigenen Mangel an Kompetenz schnell auf die Nebenschauplätze verbannt, nachdem die Getäuschten in unsere Richtung geschaut und die wahren Hauptdarsteller gesehen haben. Wie man solche Möchtegerns identifiziert, erklärt unser Merkblatt Satanische Falschspieler mit vielen Tips.
Eine Gruppe aus ehemaligen Mitgliedern der Kirche Satans, die noch immer existiert, wenngleich auch als kleine und einigermaßen eingebildete heimliche Organisation, die von den Mitteln ihres Gründers lebt, ist der Tempel des Set. Dieser Haufen zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß sie ständig versuchen, als Trittbrettfahrer der Kirche Satans unterwegs zu sein, und sogar öffentlich vorgeben, der Nachfolger und Gralshüter der Kirche Satans zu sein. Einige Werbungen oder Texte werden Ihnen vielleicht schon untergekommen sein, die von diesen Setianern beeinflußt sind. Lassen Sie sich nicht zum Narren halten, diese stehen keinesfalls in einer Beziehung zur Kirche Satans und deren Geschichten über ein Schisma sind eine bequeme Ablenkung. Wir wollen einmal näher betrachten, von wo diese Gruppe aufgetaucht ist, und mit ihren falschen Ansprüchen aufräumen.
Im Jahre 1974 leitete die Kirche Satans die vierte Stufe ihrer Entwicklung ein. Die Stoßrichtung zielte in dieser Phase darauf hin, die Mitglieder aller Stufen dahingehend neu zu orientieren, einen weit unabhängigeren Kurs weiterzuverfolgen als bisher. Bislang hatten wir Urkunden für die Bildung von offiziellen Grotten herausgegeben, wobei es sich um kleinere Zusammenkünfte von Satanisten in geographisch abgegrenzten Regionen handelte. Es stellte sich jedoch heraus, daß diese offiziellen Grotten bestimmte Mitglieder dazu verleiteten, ihre Anstrengungen für ein persönliches Vorwärtskommen nur auf den Bereich der Grotte einzuschränken, anstatt auf den Erfolg in der realen Welt - der für Satanismus von höchster Wichtigkeit ist. Bestimmte Mitglieder waren weit mehr an Versuchen interessiert, einen höheren Rang zu erreichen, beschränkt aber nur auf den Schauplatz ihrer Grotte. Sie vernachlässigten es, an ihren Begabungen zu arbeiten und Fortschritte zu machen. Viele andere Mitglieder waren eigensinnige Individualisten, die sich nicht besonders mit anderen Satanisten vertrugen. Anstatt als Basis für die Entwicklung satanischer Strategien zu funktionieren, wurden diese Gruppen oftmals Verhinderer eines wahren Vowärtskommens, wirre Haufen, die einzig und allein an innerer Zerrissenheit interessiert waren. Nicht jeder paßte in dieses Schema, aber es waren genug, um das Ganze als System für ein Wachstum unbrauchbar zu machen.
Die neue Phase legte großen Wert auf ein unabhängiges Arbeiten, indem sie die Individuen voneinander fernhielt, damit diese ihre eigenen Ziele verfolgen. Wenn Satanisten auf eigene Initiative Gleichgesinnte suchten, um inoffizielle Gruppen für Zusammenkünfte und Rituale zu bilden, so war dies absolut willkommen. Aber der Schwung für die Existenz dieser nicht formellen Gruppen mußte von der gemeinsamen Verträglichkeit ihrer Gründungsmitglieder kommen, nicht aus geographischer Nähe.
Diese Phase der Isolation, die den Grundstein für eine wesentlich breitere Basis des Satanismus als eine Bewegung legte (heute besonders an der kommerziellen Akzeptanz eines satanischen Images im populären Heavy Metal Musikbusiness zu sehen), bestürzte die Brieffreundschafts- und Kaffeekränzchen-Mitglieder der Konklave, die dadurch prinzipiell aus dem Weg geräumt werden sollten. Michael A. Aquino, zu jener Zeit Redakteur von "The Cloven Hoof", hatte den Grad IV* erreicht und gab den Artikeln einen extrem übernatürlichen Zug. Herr Aquino hatte in der Vergangenheit wiederholt Dokumente produziert, von denen er behauptet hatte, sie von übernatürlichen Wesensheiten erhalten zu haben. Diese beinhalten das "Diabolicon" (1970), eine Reihe von Aussagen von Satan, Beelzebub, Azazel, Abbadon, Asmodeus, Astaroth, Belial und Leviathan sowie die "Neunte Sonnwendmitteilung" (1974), in der er Anton LaVey zu einem Dämon erklärte.
Dr. LaVey, der das Ruder der Kirche Satans fest in der Hand hielt, begann, die Phase zu vollziehen, die sich über die letzten zwei Jahren langsam herausgebildet hatte. Er hat sogar das Grundkonzept dafür im Sommer 1972 in einem Brief an Aquino dargelegt, in dem er zum Ausdruck brachte, daß die Sozialsatanisten und ihre das Rampenlicht liebenden Priester nichts zu Satanismus als einer Bewegung beitragen und daß sie entlang des Weges straucheln werden, wenn sie nicht die Anerkennung erhalten, die sie durch den Start ihrer eigenen Kirchen suchten. LaVey schrieb, daß er weit mehr Respekt für seine im Untergrund agierenden Geistlichen hat, die in der realen Welt sehr produktiv sind. Aquino akzeptierte alles das nicht, besonders die Verleihung der Priesterschaft an nicht esoterische, nicht öffentliche erfolgreiche Personen durch Dr. LaVey und daß er nicht mehr länger wie bisher ein (ohnedies nur beschränkt) Eingeweihter in die Information über Aktivitäten im Untergrund sein sollte. LaVey war entschlossen, daß der Status von Mitgliedern der Kirche ihren Stand in der Welt außerhalb der Organisation widerspiegeln sollte. Grade sollten nicht bloßes Lernen aus Büchern und esoterische Kenntnisse widerspiegeln, sondern die tatsächliche Anwendung satanischer Prinzipien auf das persönliche Vorwärtskommen. Dazu würde die Kirche Werte, die sie bekommt, in gleicher Münze mit der Zuerkennung von Graden honorieren, in einer Form, die Dr. LaVey als angemessen betrachtete. Ein Erreichen von Graden mittels schriftlicher Tests wurde zu dieser Zeit nicht abgeschafft, aber diese zusätzliche Methode des Vorwärtskommens war nun für deklarierte Mitglieder offen. All das wurde während der neuen Phase 1974 formal festgelegt und Aquino in Grundzügen während eines seiner seltenen Treffen mit Dr. LaVey im Mai dargelegt.
Bei diesem Treffen hat Aquino gegen diese Politik nicht protestiert und später behauptet, daß diese alternative Möglichkeit des Vorwärtskommens offizieller Grund dafür war, einen Bruch mit der Kirche Satans zu erklären, bei dem er Dr. LaVey beschuldigte, Grade zu verkaufen. Er schrieb an seine Handvoll Genossen von Brieffreunden, Mystikerkameraden, die ebenfalls die neue Phase betrauerten und sie traten auch aus, um mit Aquino dahinzugehen und ihre eigene Gruppe zu bilden. Aquino wollte eine zweite Kirche Satans gründen, aber da wurde ihm vom Urheberrecht ein Strich durch die Rechnung gemacht. Stattdessen rief er sich ins Gedächtnis zurück, was er über ägyptische Geschichte und Mythologie gelesen hatte und er behauptete, Satan beschworen zu haben (an dessen Existenz als physisches Wesen er tatsächlich glaubte) und stattdessen von Set erhört worden zu sein, dem wahren Fürsten der Finsternis. Dieser hätte ihn in einer Serie von mentalen Erscheinungen angewiesen, als Sets Antwort ein Dokument niederzuschreiben, das er Das Buch des Herauskommens in der Nacht (The Book of Coming Forth by Night) betitelte. Diese übernatürliche Offenbarung gab ihm angeblich das Recht, an die Stelle der Kirche Satans zu treten. Kommt uns das nicht bekannt vor?
Aquino hätte es gerne, daß man ihm glaubt, die ganze Priesterschaft der Kirche Satans sei ihm bei seinem Abgang gefolgt. Das ist nicht wahr, insbesonders da es viele Mitglieder im Verborgenen gab, auch Priester und noch höher Gestellte, von denen er keine Ahnung hatte. Seine eigenen Behauptungen über die Anzahl der weggegangenen Mitglieder der Kirche Satans variiert ständig in seinen eigenen Schriften. Die Kirche Satans war damals wie heute eine große und vielschichtige Organisation mit vielen diskreten Individuen in machtvollen Positionen. Genau so wie Orwell es in seinem Klassiker 1984 dargestellt hatte, ist sie keine Organisation im herkömmlichen Sinne, da sie von einer Idee zusammengehalten wird, deren Zeit gekommen ist und die unzerstörbar ist. Der Abgang von weniger als dreißig Mitgliedern kann wohl kaum ein Schisma genannt werden. Stattdessen war es wohl ein Aufräumen unter Elementen, die für die weitere Entwicklung der Kirche Satans höchst unwillkommen waren. Und so vollzog sich die vierte Phase laut Plan und Aquino wurde einer von denen, die, wie bereits 1972 vorhergesagt, auf der Strecke geblieben sind.
Die Ex-Satanisten, die den Tempel des Set gegründet haben, folgen einem Pfad, der sich stark von dem der Kirche Satans unterscheidet, die niemals von ihrer Hingabe an vernünftige Selbstinteressen, Genuß und Verherrlichung des Fleischlichen und Materiellen abgewichen ist. Der Glaube an Set als eine tatsächliche Wesensheit, mit der die Gläubigen kommunizieren können, steht in deutlichem Gegensatz dazu, daß wir nicht an ein äußerliches göttliches Wesen glauben. Sie verzehren sich darin, sich mit Rang und Status innerhalb ihrer Organisation zu beschäftigen, deshalb streben die Mitglieder eifrig nach Titel und Medaillons als Rangabzeichen, um sich in der Hackordnung innerhalb der Welt des Tempels ihre Position zu sichern (besonders offensichtlich während ihrer Konklaven). Das ist nicht überraschend, wenn man Aquinos Herkunft betrachtet - eine Kindheit durchdrungen von Militärakademien und der Jagd nach Pfadfinderverdienstabzeichen. Die Kirche Satans behält sich ihr Recht vor, Grade zu gewähren, aber diese basieren nach wie vor auf dem, was ein Individuum in der Welt da draußen erreicht hat, sowie auf dem Grad seiner Freiheit von der Konformität mit der Herde und Unabhängigkeit von erzwungener Zusammenarbeit mit der Masse. Das Streben nach schicken Titeln und Rängen ist kein Bestandteil von Satanismus. Die Literatur der Kirche Satans ist veröffentlicht und weltweit für jeden Interessenten erhältlich. Der Tempel des Set druckt private Literatur nur für seine Mitglieder, teilweise beschränkt auf die eines bestimmten Grades. Um mehr über diese Pseudo-Satanisten zu erfahren, können Sie sie kontaktieren, aber seien Sie gewarnt, daß sich unter ihrem akademischen Äußeren keine wahrer Satanismus verbirgt. Eine lohnende und informative Studie von einem Anthropologen, der dem Tempel des Set beitrat, ist The Magicians von Dr. Gini Graham Scott (New World Books, 308 Spruce St., San Francisco, Ca 94118). Sie gibt Einblick in deren Glauben, Praktiken und gesellschaftliches Verhalten.
Interessanterweise scheint mit dem (zweiten) Rücktritt von Michael Aquino als Hohepriester des Tempels des Set und dem Amtsantritt von Don Webb eine Änderung in den Schwergewichten aufzutauchen. Webb hat in einem Artikel mit dem Titel "Betreffend Satanismus" gesagt, daß "der Tempel des Set einen Prozeß eingeleitet hat, um sich von dem Ausdruck ėSatanismusė zu distanzieren, einem kulturellen Tick des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts nach der Zeitwende." Wir finden das einfach ganz in Ordnung.
Wir haben uns hier ausführlich mit dem Tempel des Set beschäftigt, um deren Propaganda zu begraben. Sie sind in absolut keiner Weise mit der Kirche Satans in Verbindung. Wir betrachten sie als in keiner Weise bedeutsam für die Zukunft des Satanismus. Die Nachfolgerin von Dr. LaVey, Hohepriesterin Blanche Barton steht, unterstützt vom Rat der Neun und dem Orden vom Trapez, stolz am Ruder der Kirche Satans, dem Flaggschiff der Bewegung, die 1966 gestartet wurde und überblickt die Gewalten, die er in Gang gesetzt hat. Die Kirche Satans ist die Schmiede des eisernen Willens, der nicht aufhören wird, Hirn und Herz der Elite der Menschheit zu bewegen, die in diesem Moment ihre Hände ausstreckt, um von der Zukunft Besitz zu ergreifen. Diese wird das Erbe unseres Vermächtnisses antreten und die Geschichtsschreibung für das kommende Jahrtausend und weit darüber hinaus beherrschen.
Dieser Artikel erschien in leicht abgeänderter Form in der britischen Publikation Dark Lily #13 als Antwort auf die falschen Informationen, die zu jener Zeit durch den Tempel des Set über uns in England verbreitet wurden. Er war nicht gezeichnet, wie alle Artikel in diesem Blatt. Deshalb wurde darüber spekuliert, ob Anton LaVey selbst diesen Artikel verfaßt hatte (der natürlich an den Stil seiner Schriften nicht im geringsten herankommt). In Wahrheit habe ich diesen Artikel geschrieben, basierend auf Nachforschungen während meiner vielen Besuche in San Francisco sowie auch auf meiner fruchtbaren Korrespondenz und Zusammentreffen mit Mitgliedern der Kirche Satans, die bei diesen Ereignissen mit dabei waren. Diese Arbeit wurde durch die Fragen über den Tempel veranlaßt, die bei verschiedenen Gelegenheiten an mich gestellt wurden, sowie durch seine kuriosen und zweifelhaften Ansprüche.
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